Verschiedene Zuckersorten in Schalen

Braucht der Körper Zucker? Glukose, freier Zucker und Fruchtzucker im Überblick

Braucht der Körper Zucker? Die kurze Antwort: Dein Körper braucht Glukose, aber keinen zugesetzten Zucker aus Süßigkeiten, Limo oder Saft. Glukose kann er aus stärkehaltigen Lebensmitteln wie Kartoffeln, Hafer oder Hülsenfrüchten gewinnen und bei Bedarf sogar selbst bilden. Auf Süßigkeiten könnte dein Körper deshalb gut verzichten, wie auch die Verbraucherzentrale betont. Hier erfährst du, was „freier Zucker“ bedeutet, wie viel WHO und DGE empfehlen und wie du im Alltag weniger Zucker isst.

1. Was ist Zucker überhaupt?

Im Alltag meinen wir mit „Zucker“ meist den weißen Haushaltszucker. Chemisch ist das Saccharose, ein Zweifachzucker aus je einem Baustein Glukose (Traubenzucker) und Fruktose (Fruchtzucker). Er wird aus Zuckerrüben oder Zuckerrohr gewonnen.

Die Ernährungswissenschaft unterscheidet grob drei Gruppen:

  • Einfachzucker (Monosaccharide): Glukose, Fruktose und Galaktose.
  • Zweifachzucker (Disaccharide): Saccharose (Haushaltszucker), Laktose (Milchzucker aus Glukose und Galaktose) und Maltose (Malzzucker).
  • Mehrfachzucker (Oligo- und Polysaccharide): zum Beispiel Stärke. Sie schmeckt kaum süß, wird bei der Verdauung aber ebenfalls zu Glukose abgebaut.

Alle diese Formen zählen zu den Kohlenhydraten. Für deine Energieversorgung spielt vor allem die Glukose eine zentrale Rolle, denn Gehirn, rote Blutkörperchen und Muskeln nutzen sie als Brennstoff.

2. Braucht der Körper Zucker – oder nur Glukose?

Hier liegt der entscheidende Unterschied: Dein Körper braucht Glukose im Blut, aber nicht zwingend Zucker auf dem Teller. Woher die Glukose stammt, ist für die Versorgung zweitrangig. Eine Scheibe Vollkornbrot, eine Portion Linsen oder eine Banane liefern sie genauso wie ein Schokoriegel – nur bringen die ersten drei zusätzlich Ballaststoffe, Vitamine und Mineralstoffe mit.

Kohlenhydrate tragen zur Aufrechterhaltung einer normalen Gehirnfunktion bei. Diese positive Wirkung stellt sich bei einer täglichen Aufnahme von 130 g Kohlenhydraten aus allen Quellen ein. „Aus allen Quellen“ heißt: Stärke aus Getreide, Kartoffeln und Hülsenfrüchten zählt genauso dazu wie der natürliche Zucker in Obst. Diese Menge erreichst du mit einer normalen Mischkost problemlos, ohne zusätzlich zu naschen.

Zudem kann dein Körper Glukose in der Leber selbst herstellen, etwa aus bestimmten Aminosäuren oder Glycerin. Dieser Prozess heißt Glukoneogenese. Die EFSA empfiehlt Erwachsenen insgesamt 45 bis 60 % der Energie aus Kohlenhydraten – den Großteil davon idealerweise aus stärke- und ballaststoffreichen Lebensmitteln, nicht aus Zucker.

3. Freier Zucker: Was zählt dazu – und wie viel ist okay?

Wenn WHO und Fachgesellschaften über Zucker sprechen, meinen sie meist „freien Zucker“. Dazu gehören alle Einfach- und Zweifachzucker, die Hersteller, Köche oder du selbst Lebensmitteln zusetzen. Außerdem zählt der Zucker, der von Natur aus in Honig, Sirupen, Fruchtsäften und Saftkonzentraten steckt. Nicht dazu gehören der Zucker in ganzem, frischem Obst und Gemüse sowie der natürliche Milchzucker.

Die Empfehlungen sind eindeutig:

  • WHO (2015): Freier Zucker sollte weniger als 10 % der täglichen Energiezufuhr ausmachen. Eine weitere Senkung auf unter 5 % (etwa 25 g pro Tag) bringt laut WHO zusätzliche Vorteile, die Datenlage dafür ist aber schwächer.
  • DGE, DAG und DDG (2018): Die deutschen Fachgesellschaften übernehmen den 10-%-Wert. Bei einem Energiebedarf von 2.000 kcal entspricht das höchstens 50 g freiem Zucker pro Tag – also rund 13 Teelöffeln. Das ist ausdrücklich eine Obergrenze, kein Zielwert.
  • EFSA (2022): Die Behörde konnte keine sichere Höchstmenge festlegen und rät, zugesetzten und freien Zucker im Rahmen einer bedarfsgerechten Ernährung so gering wie möglich zu halten.

Die WHO begründet ihre Empfehlung vor allem mit Daten zum Körpergewicht und zur Zahngesundheit. Gesüßte Getränke, Joghurts, Müslis und Saucen enthalten oft mehr Zucker, als man vermutet.

4. Fruchtzucker: natürlich heißt nicht automatisch unbedenklich

Fruktose klingt nach Obstkorb und gesunder Ernährung. Tatsächlich steckt sie in Früchten, manchen Gemüsesorten und in Honig.

Dabei kommt es stark auf die Quelle an. Ganzes Obst liefert neben Zucker auch Ballaststoffe, Wasser, Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe – und es zählt nicht zum freien Zucker. Zwei bis drei Portionen am Tag passen gut in eine ausgewogene Ernährung.

Anders sieht es bei isolierter Fruktose, Fruktose-Glukose-Sirup oder Fruchtsaft aus. Hier nimmst du Fruchtzucker konzentriert auf, oft ohne es zu merken. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist darauf hin, dass eine erhöhte Fruktoseaufnahme ungünstige Wirkungen auf den Stoffwechsel haben kann. Wer zugesetzten und freien Zucker begrenzt, begrenzt damit automatisch auch Fruktose – solange Haushaltszucker nicht einfach durch Fruktosesirup ersetzt wird.

Ein Glas Orangensaft ist deshalb kein Ersatz für eine Orange. Saft enthält zwar „keinen Zuckerzusatz“, sein Zucker zählt aber vollständig zum freien Zucker.

5. Versteckten Zucker auf dem Etikett erkennen

Ein Blick auf die Verpackung hilft dir, den Überblick zu behalten. Zwei Stellen sind wichtig:

Nährwerttabelle: Unter „Kohlenhydrate, davon Zucker“ steht die Gesamtmenge aller Einfach- und Zweifachzucker pro 100 g – egal, ob sie zugesetzt wurden oder von Natur aus enthalten sind. Rechne den Wert auf deine tatsächliche Portion um, denn kaum jemand isst genau 100 g.

Zutatenliste: Hier erkennst du, ob Zucker zugesetzt wurde. Zucker versteckt sich hinter vielen Namen: Glukosesirup, Fruktose, Dextrose, Maltodextrin, Invertzucker, Agavendicksaft oder Reissirup. Eine Faustregel: Endet eine Zutat auf „-ose“, handelt es sich meist um eine Zuckerart. Werden mehrere Zuckerquellen einzeln aufgeführt, rutschen sie in der Liste nach hinten, obwohl ihre Summe hoch sein kann.

„Ohne Zuckerzusatz“: Diese Angabe bedeutet nur, dass keine Zucker oder süßenden Zutaten zugesetzt wurden. Enthält das Produkt von Natur aus Zucker, muss „enthält von Natur aus Zucker“ auf der Packung stehen. Zuckerarm ist es damit nicht automatisch.

6. Alltagstipps: So isst du weniger Zucker

Du musst Zucker nicht komplett streichen. Es geht darum, unter der Obergrenze zu bleiben und bewusst zu genießen. Diese Tipps helfen dir dabei:

  • Getränke zuerst: Ersetze Limo, Eistee und Saft durch Wasser, ungesüßten Tee oder Saftschorle im Verhältnis 1:3.
  • Selbst süßen: Kaufe Naturjoghurt, Haferflocken und Pflanzendrinks ungesüßt und süße mit frischem Obst oder einer Prise Zimt nach.
  • Schrittweise reduzieren: Nimm in Kaffee, Tee oder beim Backen jede Woche etwas weniger Zucker.
  • Ausgewogene Mahlzeiten planen: Kombiniere Kohlenhydrate mit Gemüse, Hülsenfrüchten und proteinreichen Lebensmitteln. So fallen Hauptmahlzeiten ausgewogener aus.
  • Bewusst genießen: Ein Stück Kuchen am Wochenende ist kein Problem. Iss es in Ruhe statt nebenbei.

Fühlst du dich nachmittags oft schlapp und greifst dann zu Süßem? Müdigkeit hat viele mögliche Ursachen. Einige davon und passende Tipps findest du in unserem Beitrag zur Frühjahrsmüdigkeit. Halten Beschwerden an, lass sie ärztlich abklären.

Treibst du viel Sport, kann dein Kohlenhydratbedarf höher liegen. Auch dann gilt: Die Basis bilden stärkereiche Lebensmittel. Wie du dich vor dem Training ohne Zuckerbombe vorbereitest, liest du in unserem Beitrag zum natürlichen Pre-Workout.

Fazit

Braucht der Körper Zucker? Glukose ja – zugesetzten Zucker nein. Dein Körper gewinnt Glukose aus Stärke, Obst und Gemüse und kann sie sogar selbst bilden. Süßigkeiten, Limo und Saft sind dafür nicht nötig.

WHO und DGE empfehlen, höchstens 10 % der Energie aus freiem Zucker aufzunehmen, bei 2.000 kcal also maximal 50 g am Tag. Mit ganzem Obst statt Saft, ungesüßten Grundprodukten und einem Blick auf Etikett und Zutatenliste bleibst du entspannt darunter – ohne auf Genuss zu verzichten.

Mehr zum Thema: Proteinreiche Lebensmittel · Frühjahrsmüdigkeit

WHO und DGE empfehlen, weniger als 10 % der täglichen Energie aus freiem Zucker aufzunehmen. Bei 2.000 kcal sind das höchstens 50 g, also etwa 13 Teelöffel. Die WHO sieht in einer Senkung auf unter 5 % (rund 25 g) zusätzliche Vorteile. Der Zucker aus ganzem Obst und Gemüse zählt dabei nicht mit.

Das Gehirn nutzt Glukose als wichtigsten Energielieferanten. Kohlenhydrate tragen zur Aufrechterhaltung einer normalen Gehirnfunktion bei; diese Wirkung stellt sich bei einer täglichen Aufnahme von 130 g Kohlenhydraten aus allen Quellen ein. Diese Menge erreichst du mit Brot, Haferflocken, Kartoffeln, Reis, Hülsenfrüchten und Obst – Süßigkeiten sind dafür nicht nötig.

Nein. Ganzes Obst zählt laut WHO nicht zum freien Zucker und liefert zusätzlich Ballaststoffe, Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe. Zwei bis drei Portionen am Tag passen gut in eine ausgewogene Ernährung. Anders ist es bei Fruchtsaft und Fruktosesirup, deren Zucker als freier Zucker gilt.

Nicht wirklich. Sie bestehen ebenfalls überwiegend aus Glukose, Fruktose oder Saccharose und zählen zum freien Zucker. Verwende sie deshalb genauso sparsam wie Haushaltszucker.

Dein Körper versorgt sich weiterhin mit Glukose aus stärkehaltigen Lebensmitteln, Obst und Gemüse. Wichtig ist, nicht pauschal alle Kohlenhydrate zu streichen, sondern vor allem gesüßte Getränke und Produkte zu reduzieren.

Quellenangaben

  1. DAG, DDG, DGE (2018): Konsensuspapier – Quantitative Empfehlung zur Zuckerzufuhr in Deutschland (inkl. WHO-Empfehlung 2015) – https://www.dge.de/fileadmin/dok/wissenschaft/stellungnahmen/Konsensuspapier_Zucker_DAG_DDG_DGE_2018.pdf
  2. EFSA (2022): Die Aufnahme von zugesetzten und freien Zuckern sollte so gering wie möglich sein – https://www.efsa.europa.eu/de/news/added-and-free-sugars-should-be-low-possible
  3. EFSA (2010): EFSA legt europäische Referenzwerte für die Aufnahme von Nährstoffen fest – https://www.efsa.europa.eu/de/press/news/nda100326
  4. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR, 2009): Erhöhte Aufnahme von Fruktose ist für Diabetiker nicht empfehlenswert – https://www.bfr.bund.de/cm/343/erhoehte_aufnahme_von_fruktose_ist_fuer_diabetiker_nicht_empfehlenswert.pdf
  5. Spektrum.de, Lexikon der Biochemie: Gluconeogenese – https://www.spektrum.de/lexikon/biochemie/gluconeogenese/2521
  6. Verbraucherzentrale: Was ist eigentlich Zucker und wie viel darf es sein? – https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/kennzeichnung-und-inhaltsstoffe/was-ist-eigentlich-zucker-und-wie-viel-darf-es-sein-81607

Hinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden, Vorerkrankungen oder Fragen zur Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln wende dich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt.